Lerncoaching: „Die Freude am Lernen steht im Vordergrund“

Lerncoaching: „Die Freude am Lernen steht im Vordergrund“

Was macht ein Lerncoach eigentlich? Ein Lerncoach hilft dabei, Strategien zu entwickeln, um das Lernen zu erleichtern und den Schulalltag für jedes Kind individuell und effektiv zu gestalten.

Wann kann Lerncoaching helfen? Die Kindergartenzeit ist vorbei, die Schule beginnt, und die ersten Herausforderungen treten auf: Das Kind ist unkonzentriert, motivationslos, hat keine Lust auf Hausaufgaben und zeigt wenig Selbstbewusstsein.

Eltern wünschen sich ein selbstbewusstes Kind, das eigenständig lernt und agiert.

Woran liegt das? Der Lernstoff ist oft nicht mehr spielerisch und kindgerecht aufbereitet. Vielen Kindern fällt es schwer, langweilige Arbeitsblätter zu bearbeiten oder sich auf den Frontalunterricht zu konzentrieren. Die Kinder haben nicht mehr die Freiheit, Entdecker zu sein und kreativ zu gestalten.

Gerald Hüther (Neurobiologe) betont, dass Erwachsene Bedingungen schaffen sollten, unter denen ein Kind bereit ist, sich Wissen anzueignen. Kinder sollen aus eigenem Antrieb lernen und nicht nur belehrt werden. Ein Beispiel: Ein Kind kann alle Pokémon auswendig, weil es Pokémon mag.

Kurz gesagt: Kinder haben zwei Grundbedürfnisse, die es zu befriedigen gilt:

  1. Autonomie (Eigenständigkeit)
  2. Zugehörigkeit (zur Gemeinschaft: Familie, Klasse, etc.)

Sind Kinder nicht selbständig in ihrem Tun und Handeln, fühlen sie sich nicht zugehörig. In diesem Fall wird im Gehirn dieselbe Region aktiviert wie bei körperlichen Schmerzen. Unter solchen Bedingungen kann ein Kind schlechter lernen, und die Lernmotivation sinkt.

Was können Sie als Elternteil tun? Das Wichtigste beim Lernen ist, dass Eltern die Beziehung zum Kind immer vor die Lernbeziehung stellen. Eltern sollen inspirierende Begleiter sein. Gutes Lernen profitiert von einer guten, konstruktiven und respektvollen Bindung zum Kind.

Diese drei Fragen sollten Sie sich zu Beginn beantworten:

  1. Wie lernt mein Kind am besten?
  2. Welche Stärken hat mein Kind?
  3. Welche Schwächen hat mein Kind?

Lerncoaches unterstützen Sie und Ihr Kind dabei, ein möglichst selbständiges Lernen zu erreichen. Eine enge Zusammenarbeit ist Voraussetzung für den Erfolg.

Kinder lernen hier die Freude am eigenständigen Lernen: „Ich kann etwas erreichen! Wenn ich mich anstrenge, kommt etwas dabei heraus.“ Durch das Erkennen ihrer Lernvorlieben können sie besser ihre Lernbedürfnisse einschätzen und managen, was von großem Nutzen für ihren eigenständigen Weg ist.

Folgende Gesichtspunkte werden beim Lerncoaching berücksichtigt:

  1. Lernsituationen analysieren:
    • Genaues Beobachten des Kindes (Gesichtsausdruck, Körperhaltung: wie sitzt es, wie steht es? Verhalten: still/ruhig, aufgedreht/unruhig, leicht abgelenkt/gut fokussiert)
    • Beobachtungen mit dem Kind besprechen: Woran liegt es, dass es so ist? Wie können wir eine gute Lernsituation schaffen?
  2. Lernziele formulieren (Gemeinsam Eltern-Kind-Lerncoach):
    • Beim Kampf mit den Hausaufgaben stehen Kinder und ihre Eltern häufig vor zwei Schwierigkeiten: Überforderung des Kindes (zu viele Erwartungen an sein Lernverhalten) und Messen des Kindes an unbekannten Zielen und Erwartungen. Deshalb können Lernziele sehr sinnvoll sein:
      • Kurzfristige Ziele für die jeweilige Lern- oder Hausaufgabeneinheit
      • Langfristige Ziele für das jeweilige Fach zur nächsten Prüfung oder für das Schuljahr
      • Realistische Ziele setzen
      • Vorgehen:
        • Die zwei wichtigsten Lernziele notieren (Prioritäten setzen) – Eltern
        • Die zwei wichtigsten Lernziele notieren – Kind
        • Lernziele gemeinsam verhandeln, anschließend Lernziele notieren und ein Exemplar für jeden aushändigen
        • Gemeinsam entscheiden: Welche Ziele und wie viele? Sind die Ziele realistisch? Bis wann soll das jeweilige Ziel erreicht werden?
  3. Lerntypen:
    • Es macht Spaß, sich selbst in einen der folgenden Lerntypen oder sogar in einen Mischtyp einzuordnen. Inspirationen für die Aufbereitung von Lernstoff holen, jedoch wird eine strikte Einteilung in nur einen Typen als kontraproduktiv gesehen:
      • Auditiv: Kind lernt gut über Zuhören, Schaubilder an der Tafel nimmt dieser Lerntyp besser auf, wenn es ihm zusätzlich verbal erklärt wird, Selbstgespräche oder lautes Vorsagen helfen beim Lernen.
      • Visuell: Kind lernt gut über das Sinnesorgan Auge (Bücher, Filme, Mind Maps, Schaubilder).
      • Motorisch: Kind lernt am besten über das eigene Tun (Gegenstände anfassen, Experimente, Strecken abmessen und laufen) oder indem es das Tun bei anderen beobachten kann.
      • Kommunikativ: Kind braucht Gespräche mit anderen, hält gerne Vorträge zu gelernten Themen, Lerngruppen und kommunikative Spiele zum jeweiligen Thema.
  4. Lernorte optimieren (mit dem Kind gemeinsam erarbeiten):
    • Wo lernt das Kind am besten?
    • Was können die Eltern tun, um den Lernort so zu verbessern, dass das Kind besser lernen kann?
  5. Lernhindernisse beseitigen (beeinflussen die Konzentrationsfähigkeit):
    • Lernmotivation (intrinsisch, extrinsisch)
    • Lernpläne aufstellen

Die Lerncoaches arbeiten mit unterschiedlichen Gedächtnistechniken:

  • Mentale Briefkästen
  • Mind Maps
  • Karteikarten
  • Brainstorming

Zusätzlich gehen die Lerncoaches auf spezielle Lernbesonderheiten ein:

  • Intelligenz und Hochbegabung
  • Prüfungsängste
  • ADS/ADHS
  • Legasthenie
  • Dyskalkulie

Jedes Kind ist anders, obwohl sie die gleichen Eltern haben, die gleiche Erziehung erfahren und im selben Umfeld leben. Es bringt unterschiedliche Stärken und Schwächen mit.

Diese Lernbesonderheiten fallen oft erst in der Schule auf. Passende Förderung und Unterstützung sind wichtig, aber das Kind sollte nicht auf seine Besonderheiten reduziert werden. Oft stigmatisiert dies die Entwicklung des Kindes. Die Lerncoaches begleiten und inspirieren die Kinder und ihre Familien auf diesem Weg.

In unserer Praxis bieten wir umfassendes Lerncoaching an, um Kinder und Erwachsene auf ihrem Bildungsweg bestmöglich zu unterstützen. Unsere Pädiatrie-Leitung, Tanja Lamers, hat diesen informativen Blogbeitrag verfasst. Ich möchte mich herzlich bei Tanja für ihre Expertise und ihren Einsatz bedanken.

Tanja Lamers steht allen Eltern, Interessierten und auch Erwachsenen zur Verfügung, die ihre Lernmethoden optimieren möchten. Nutzen Sie die Gelegenheit, um gemeinsam mit uns individuelle Strategien für erfolgreiches Lernen zu entwickeln. Wir freuen uns darauf, Ihnen weiterzuhelfen.

Ihr Team von Anika Joswiak Ergo- und Handtherapie